Der Grazer Mai steht auch heuer wieder ganz im Zeichen des Designs. Ein Höhepunkt des Designmonats ist das assembly Designfestival, das von 19. – 22. Mai mehr als 50 nationale und internationale Designpositionen im dynamisch-urbanen Joanneumsviertel zeigt.

Das Motto des diesjährigen Festivals lautet IN BEWEGUNG und stellt sowohl ein künstlerisches, als auch ein politisches Statement dar. Als Leitsymbol wurden Schuhe gewählt, die im künstlerischen Dialog mit Mode, Accessoires und Kunst neu präsentiert werden: skulptural, sinnlich und visionär.
Zu den Schuhdesignerinnen des Designspektakels zählen neben Carolin Holzhuber (A/GB), Sharon Golan (ISR) und Pavla Podsednikova (CZ) auch Studierende der FH Joanneum Graz. Im Rahmen der „Walking Wall“ Installation am großen Glastrichter im Foyer des Joanneumsviertels werden die Arbeiten der Künstlerinnen zu sehen sein.

Am 19. Mai findet die Eröffnungsmodeschau auf den Grazer Kasematten statt. Dabei werden die neusten Kollektionen von internationalen Modelabels präsentiert. Für den passenden Rhythmus sorgt die Musik von Rainer Binder-Krieglstein und Sängerin Nana. Höhepunkt des Festivals ist die Verleihung der Kastner & Öhler Fashion Awards, die im Anschluss der Modenschau stattfindet.

 

assembly Timetable

assembly | Eröffnungsmodenschau
und Kastner & Öhler Fashion Award Preisverleihung
Do, 19. Mai, 20:30 Uhr (Einlass: 19:45 Uhr),
Schloßbergbühne, Kasematten, Graz
22:00 Uhr: Eröffnung der Designausstellung
im Joanneumsviertel, Graz

assembly | Verkaufsausstellung & Walking Wall
Fr, 20. Mai & Sa, 21. Mai, 11:00 bis 20:00 Uhr
So, 22. Mai, 11:00 bis 18:00 Uhr
im Joanneumsviertel, Graz
Eintritt frei!

assembly | Street Fashion Show
Fr, 20. Mai, 17:00 Uhr, nur bei Schönwetter
Ersatztermin: Sa, 21. Mai, 15:00 Uhr
im Joanneumsviertel an der Rolltreppe, Graz
Eintritt frei!

Beitragsbild: (c) assembly Designfestival
Wo Moscheen und Nachtklubs, Ost und West, ehrwürdige Historie und „coole“ Zeitgenosschenschaft vereint sind: ein Besuch in der energiegeladenen Metropole Istanbul.

Es riecht nach Muscheln, Kaffee, frischen Sesamkringeln, Schokolade und Iskender Kebap. Unter anderem. Ein Gang durch die drei Kilometer lange İstiklâl Caddesi, die heimliche Hauptstraße von ­Istanbul, ist nicht nur ein sinnliches Erlebnis für die Nase. Spätestens wenn es dunkel wird, promenieren hier Abertausende, sehen unter anderem den Feuerzauberern, den humorvollen Kunststücken der Eisverkäufer, den anatolischen Musikgruppen oder dem Althippie, der sich liebevoll um herrenlose Katzen kümmert, zu. Aus den Häusern, in denen Klubs untergebracht sind, wummern Techno und House, Altwarensammler bahnen sich zum Klang der Muezzine den Weg, inmitten des Getümmels rattert die altehrwürdige Straßenbahn, die zwischen Taksim und Tünel verkehrt. In der ­İstiklâl tobt das Leben. Rund um die Uhr. Ein ­vitales Herz einer ebensolchen Stadt.

„Coolste Stadt Europas“

Straßenbahn Istanbul

Begehrtes Fotomotiv für Touristen: Die alte Straßenbahn, die zwischen den Stationen Taksim und Tünel hin- und herfährt und dabei immer wieder auch blinde Passagiere mitfahren lässt. (Foto: Martin Behr)

Istanbul. Seit Jahrhunderten eine Stadt mit Weltgeltung, ein Ort, an dem unterschiedliche Kulturen, Religionen, auch Meere und Kontinente aneinanderstoßen. Mittlerweile leben rund 16 Millionen Einwohner in der Stadt, in der osmanische Historie und urbane Zeitgenossenschaft parallel existieren, in der sowohl Islamisten als auch westlich orientierte Hedonisten ihren Hauptwohnsitz haben. Hier eine prachtvolle, von Sinan entworfene Moschee, da der schillernde Nachtklub, der auch sein Scherflein dazu beiträgt, dass das US-Magazin „Newsweek“ Istanbul als „coolste Stadt Europas“ bezeichnet. Doch Istanbul ist weit mehr als bloß cool. Mit dem reichen Erbe von Byzanz und Konstantinopel ausgestattet, gilt die Stadt als Muster­beispiel für das Zusammenwachsen von Ost und West und ist mittlerweile längst zur Megacity mit vielen Reizen – unter anderem Kulinarik, Kunst, Design oder Shopping – aufgestiegen.

Aufstrebende Kunstviertel

Die hohe Lebensqualität der am Bosporus, Goldenen Horn und Marmara-­Meer gelegenen Stadt genießen nicht nur Menschen, auch Tausende von Katzen. Sie sind fast schon heilige Tiere der Stadt, schlafen in aus Karton errichteten Häuschen oder auf Autodächern, werden von der Bevölkerung gefüttert, haben Zutritt zu Boutiquen ebenso wie zur Hagia Sophia, eine der vielen Top­attraktionen der Stadt. Erst Kirche, dann Moschee und heute Museum: Die atemberaubende Architektur hat alle historischen Wirrnisse überdauert, die Größe des Gebäudes wird erst im Inneren spür- und erlebbar. Lang ist die Liste der Istanbuler Moscheen, neben dem Pflichtbesuch in der 1609 in Auftrag gegebenen Sultanahmet Camii (Blaue Moschee) empfiehlt sich ein Abstecher in die beim Gewürzbasar gelegene Rüstem Paşa Camii: Reicher Fayenceschmuck entmaterialisiert die Architektur, hier kann man ruhen, den Gebeten zuhören oder einfach nur schauen.
Den Lesern des Nobelpreisträgers Orhan Pamuk ist der Stadtteil Beyoğlu wohlbekannt. Wo einst Rotlichtbetriebe situiert waren, liegt mittlerweile, dank der Gentrifizierung, etwas in der Luft, das an Großstädte wie New York oder Berlin erinnert: Schicke Szenelokale finden sich neben traditionellen Teehäusern, wo vormittags das typische Frühstück – unter anderem mit salzigem Käse, Gurken, Hummus sowie Honig und Schlagobers – serviert wird, nuckeln einheimische Bobos abends an ihren „Bomonti“-Bierflaschen. Die Zahl der Galerien und der Kunsthandwerkläden wächst in Beyoğlu ständig, in den Altwarengeschäften – allen voran im wunderbaren The Works „Objects of Desire“ – kann man Atatürk-Teppiche, Derwisch-Figürchen, alte türkische Filmplakate oder islamische Amulette (Muska) zu Schnäppchenpreisen erwerben.

Die Geschäfte im großen Basar sind hingegen schon einmal besser gegangen. Das Ausbleiben von Touristen führt dazu, dass nicht nur die Teppichhändler ihre Preise ­reduziert haben. Der obligate Apfeltee bei den als Ritual zu verstehenden Verkaufsverhandlungen ist freilich gratis. Wer dem hohen Geräuschpegel im Basar, aber auch auf den Straßen, auf denen bisweilen Anarchie zu herrschen scheint, entfliehen will, dem sei ein Fährenausflug auf die Prinzeninseln (Adalar) angeraten. Nach einer Stunde Fahrzeit, die ob der improvisierten Verkaufsperformances von solchen, die Gurkenschäler oder Zitronenpressen anbieten, wie im Flug vergeht, betritt man etwa auf Büyükada eine Oase der Ruhe. Üppige Vegetation und historische Holzhäuser prägen die auto­freie Insel, in deren stilvoller Nobelabsteige „Splendid Palas“ einst auch Republik­begründer Atatürk gefeiert hat. Mit Raki, versteht sich.

INFO

Von Graz nach Istanbul
Seit Kurzem fliegen die Turkish ­Airlines direkt von Graz nach Istanbul.
Abgehoben wird jeweils montags, mittwochs, donnerstags und samstags um 15.40 Uhr.

www.flughafen-graz.at

Beitragsbild: (c) Martin Behr
Es war einmal eine kreative, junge Italienerin, die gemeinsam mit ihrem steirischen Prinzen das Schloss ­Hollenegg aus dem Dornröschen­schlaf erweckte und zu einem Hotspot in Sachen Design machte.

Alice Stori Liechtenstein ist voll der Energie. Sie hat in Mailand und Barcelona Architektur und Design studiert, sie hat Projekte im Ausstellungsdesign umgesetzt, sie kuratierte eine Ausstellung im Rahmen des Grazer Designmonats 2015, sie illustriert Kinderbücher, sie lehrt an der FH Joanneum und betreibt unter dem Synonym „Alice in What-
everland“ einen täglichen Blog zum Thema Design. Quasi nebenbei ist die Italienerin mit Alfred Liechtenstein verheiratet und lebt mit ihm und den drei Kindern in Schloss Hollenegg in der Nähe von Schwanberg.

Von Italien nach Österreich

Schloss-Hollenegg

Alice Liechtenstein macht das Schloss Hollenegg zu einem Zentrum für Design. (Foto: Alice Stori Liechtenstein)

„Ich war zuerst ein wenig verzweifelt, als ich vor zehn Jahren aus Italien in die Steiermark gekommen bin, doch dann habe ich beschlossen, die Chancen zu sehen und etwas daraus zu machen“, erzählt Alice Stori Liechtenstein ganz offenherzig. Und sie hat die Chancen bereits vielfach genutzt. Jetzt will sie das Schloss Hollenegg zu einem der Zentren des nächsten Designmonats machen.
20 internationale Künstler hat die Wahl-Steirerin eingeladen, unter dem Titel „Slow“ eine Designarbeit für die Ausstellung beizutragen. Einige davon werden als „artists in residence“ je eine Woche lang im Schloss verbringen. „Sie können sich hier inspirieren lassen“, erzählt die Vielseitige und beschreibt das Schloss als „unglaublichen Ort mit tollen Räumen, mit Seidentapeten, Stuck und alten Parketten“ ausgestattet. Der Gegensatz zu jungem Design könnte nicht größer sein.
Als temporäre Schloss-Gäste hat sich Liechtenstein zwei Designteams ausgesucht. Livia Rossi und Gianluca Giabardo arbeiten unter dem Künstlernamen Dossofiorito und werden in Hollenegg eine Rauminstallation entwerfen. Zuhause in Verona arbeiten die beiden in einer Autowerkstätte und – wie die Kuratorin beschreibt – „sehr hands-on“. Das Wiener Duo Katharina Mischer und Thomas Traxler „schaffen den Spagat zwischen poetischer Kunst und Technologie. Sie spielen mit Bewegung“, wie Liechtenstein beschreibt. Einer der großen Erfolge von mischer‘traxler war die Designarbeit für das Champagnerhaus Perrier-Jouet: ein Holztisch mit beweglichen eingelassenen Metallblüten, die sich beim Näherkommen des Betrachters zurückziehen. Als dritter Künstler „in residence“ kommt Dean Brown. Der in London lebende Schotte arbeitet an Kunstobjekten und Installationen, aber ebenso an Shop- und Bürodesigns für internationale Auftraggeber.

Kreative Prozesse begleiten

Dossofiorito, mischer‘traxler und Dean Brown werden im Mai 2016 je einen Raum zur Verfügung haben. Alle anderen Positionen werden im großen Rittersaal von Schloss Hollenegg zu sehen sein. „Mir macht die Zusammenarbeit Spaß und vor allem die Konversation, die mit den Künstlern entsteht“, erzählt Alice Stori Liechtenstein. Sie möchte die kreativen Prozesse begleiten. „Ich kritisiere gut, haben mir meine Studenten an der FH attestiert“, sagt sie und erklärt auch gleich ihre grundsätzliche Erkenntnis: „Designer brauchen die Interaktion, den Einfluss von außen. Sie brauchen ein Thema, eine Deadline und ein Budget.“ Genau dieses beschäftigt Stori Liechtenstein jetzt im Vorfeld der Designshow im eigenen Haus. Ein Drittel des Budgets soll durch Sponsoring gedeckt sein, der Rest kommt aus dem Verkaufserlös der ­Designarbeiten.

CLARISSA MAYER-HEINISCH

Info
In Alice Stori Liechtensteins Blog www.aliceinwhateverland.com kann man täglich Design-News verfolgen
und die Ausstellung „Slow” ist während des „Design­monat Graz” von 30. 4.–8. 5. 2016
im Schloss Hollenegg, 8530 Schwanberg, zu sehen.