Die Permakultur nimmt sich die Natur als Vorbild – und macht dabei auch vor Balkonen und Terrassen nicht halt. Ein Plädoyer für mehr wildes Gärtnern in der City.
Dass sich Gemüse und Obst auch auf dem winzigsten Balkon ziehen lassen, ist mittlerweile nichts Neues mehr. Clever durchdachte, kompakte Pflanzsysteme und vertikale Gärten, in denen man seine eigenen Bio-Pastinaken anbaut, zählen unter Großstadt-Hipstern quasi schon zum guten Ton. Wer als Selfmade-Gärtner allerdings richtig cool sein will, muss schon die nächste Stufe des Gartenanbaus erklimmen: die Permakultur. Darunter versteht man ein möglichst vielseitiges, resilientes und vor allem sich selbst regulierendes Ökosystem, das natürlichen Abläufen nachempfunden ist. Ein System, in dem alle Elemente und Lebewesen in möglichst nützlicher Beziehung zueinander stehen und so voneinander profitieren.

Wilder Charme: In einem Permakultur-Garten darf man sich alles erwarten – außer Ordnung. Hier dürfen Pflanzen nach Herzenslust wuchern. (Foto: Markus Spiske/Unsplash)
Wildes Wuchern
Der Unterschied zu einem typischen „Urban Garden“ ist dabei vor allem optisch sichtbar – statt akkurat geschnittener Thujenhecken nebst millimetergenau gepflanzten Salatköpfchen findet sich im Permakultur-Garten ein bunter Mix aus Wildblumen, Kräutern, Gemüsen bis hin zu Elementen wie Mini-Teich, -Komposthaufen oder Wurmfarm.
Das Prinzip der Permakultur verfolgt maximalen Ertrag auf minimalem Raum, möglichst autarkes Arbeiten, d. h., alles Vorhandene zu nutzen und so keinen Abfall zu produzieren und die Artenvielfalt zu fördern. So setzt man in einem Permakultur-Garten beispielsweise auf heimische Wildblumen – nicht nur, weil sie anspruchslos und winterhart sind, sondern auch, weil sie Insekten wie Bienen, Hummeln und Schmetterlinge anlocken und ihnen Nahrung und Unterschlupf bieten.
Permakultur – die Prinzipien
Fakt ist: Einen eigenen Wildgarten auf Balkon oder Terrasse anzulegen, ist selbst für jene ohne grünen Daumen keine Hexerei. Die wichtigsten Prinzipien haben wir hier nochmals simpel zusammengefasst:
Boden: Um das Bodenleben nicht zu stören, wird Umgraben in der Permakultur möglichst vermieden. Außerdem sollte der Boden eines Beets ständig bedeckt sein – dadurch trocknet er nicht aus, produziert mehr Humus und bietet bessere Lebensbedingungen für Insekten. Hierzu eignen sich beispielsweise bodendeckende Pflanzen wie Klee, man kann aber auch Mulch oder Stroh verwenden.
Mischkulturen: Permakultur ist naturnah – und so, wie die Natur auf Pflanzgemeinschaften setzt, kann man es auch im Balkon- oder Hochbeet tun. Wer Erdbeeren und Lavendel oder Tomaten und Schnittlauch gemeinsam pflanzt, spart Platz und profitiert außerdem davon, dass sich bestimmte Pflanzenkollegen gegenseitig Schatten bieten, sich als Rankhilfe dienen oder sich vor Schädlingsbefall schützen.
Regenwasser zur Bewässerung: Nicht nur, dass Regenwasser sammeln die Geldbörse schont – es wird vor allem an heißen Tagen auch besser von den Pflanzen vertragen als eiskaltes Wasser aus der Leitung. Praktisch für die Sommerhitze bzw. für die Urlaubszeit sind auch Pflanzkübel mit eingebautem Wasserspeicher.
„Ein schöner Garten wischt den Staub des Alltags von der Seele.“

(Foto: Jonathan Kemper/unsplah)
Permakultur kompakt – die Elemente
Insektenheimat: Über eine Nisthilfe in Form eines Insektenhotels freuen sich sowohl Bestäuber als auch zahlreiche andere Krabbeltiere gerade in der Stadt besonders. Hier gilt jedoch: Unbedingt vorher informieren und sich nicht von der Optik leiten lassen – das Angebot am Markt umfasst mittlerweile auch viele unbrauchbare Insektenhotels.
Kompost: Pestizide und Kunstdünger haben in der Permakultur ebenso wenig verloren wie Erde mit künstlichen Zusatzstoffen. Da die Permakultur einem geschlossenen ökologischen Kreislauf entspricht, düngt man im besten Fall mit eigenem Kompost. Zugegeben – für einen richtigen Komposthaufen braucht es schon etwas Platz. Mittlerweile gibt es aber auch bereits platzsparende kompakte, geschlossene Kompostsysteme, die in einer kleinen Ecke Platz finden. Als Alternative für kleine Balkone und Terrassen eignen sich aber auch Regenwurmkomposter, in denen aus Gemüseresten nährstoffreicher Kompost entsteht.
Beete: Ist ausreichend Platz vorhanden, eignet sich ein Hochbeet perfekt zum Anlegen eines Permakultur-Gartens. Ansonsten funktionieren auch bepflanzbare Paletten, „normale“ Balkonbeete, Pflanztaschen oder vertikale Pflanzsysteme.
Mini-Teich: In der Permakultur ist Wasser ein zentrales Element. Und: So ein mit Seerosen bewachsener Mini-Teich sieht nicht nur hübsch aus – er bietet auch Lebensraum für Insekten. Wichtig ist hier nur (das gilt übrigens auch für Hochbeet und Co.), unbedingt vorher abzuklären, ob die Größe bzw. Statik des Balkons/der Terrasse und das
Gewicht des Gefäßes kompatibel sind.
Gute Nachbarschaft
Pflanzkompagnons, die nebeneinander im Beet gut/nicht gedeihen:
Zucchini:
+ Lauch, Zwiebel, Rettich, Salat, Karotte, Petersilie, Radieschen, Sellerie, Spinat
Tomate:
+ Kohlsorten, Knoblauch
– Kartoffel, Erbse
Kartoffel:
+ Kohlsorten, Spinat, dicke Bohne
– Sellerie, Tomate, Kürbis
Erdbeere:
+ Knoblauch, Schnittlauch, Lauch, Zwiebel, Radieschen, Spinat, Salat
– Kohlsorten
Buchtipps
Permakultur-Basics
Mit praktischen Ratgebern wie „Permakultur für Ahnungslose” und „Permakultur für Balkon und Terrasse” vermeidet man klassische Anfängerfehler beim Anlegen von Permakultur-Gärten – schnellere Ernteerfolge garantiert.
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Von Anja Fuchs
Beitragsbild: Markus Spiske/Unsplash
Ob im Garten oder am Wegesrand: Wildkräuter und -blumen sprießen nahezu überall. Die Gute Nachricht: Um sie als Lebens- oder Heilmittel nutzen zu können, muss man keine Kräuterhexe sein.
Spitzwegerich

Foto: Ruckszio/Adobe Stock
Ein Wildkraut, das man im Sommer so gut wie überall findet, ist der Spitzwegerich. Die meisten kennen ihn als Zutat im Hustensaft, dabei hat er als Heilpflanze
noch zig andere Talente: Zum Beispiel als Erste-Hilfe-Maßnahme bei Bienen- oder Wespenstichen – einfach ein paar Blätter zerdrücken und auf die Stichstelle pressen. Wer Spitzwegerich mehrere Wochen in Honig einlegt, erhält einen aromatischen Brotaufstrich, der auch schleimlösend wirkt und das Immunsystem stärkt. Frisch gepflückt und klein geschnitten verleihen die länglichen grünen Blätter Salaten eine tolle Würze.
Wer seinem Spinat das gewisse Etwas verleihen will, mixt etwas Spitzwegerich dazu – perfekt mit Kartoffeln, Omeletts oder Eierspeisen. Auch im Beet, im Topf oder im Balkonkasten gedeiht Spitzwegerich übrigens prächtig.

Foto: Markus Winkler
Schafgabe
Durch ihren intensiv würzigen Geschmack eignet sich die Schafgarbe perfekt als Zutat für Kräuterbutter und -salz, Brotaufstriche, Gewürzessig, Gemüsegerichte, Brot- und Nudelteig oder Kräuterlimonade. Bekannt ist das Korbblütler-Gewächs aber vor allem wegen seiner gesundheitsfördernden Eigenschaften: Schon in der Antike galt es als Frauenheilkraut, das gegen Wechseljahresbeschwerden und durch seine entkrampfende Wirkung unter anderem gegen Menstruationsschmerzen, aber auch bei Migräne und wetterbedingten Kopfschmerzen und Darmbeschwerden hilft. Für eine Tasse Schafgarbentee zwei Teelöffel Schafgarbenkraut mit 150 ml kochendem Wasser übergießen, eine Viertelstunde ziehen lassen und abseihen.

Foto: sherlesi/Adobe Stock
Löwenzahn
Auch wenn die gelben Löwenzahnblüten die Wiesen nur bis Juni zum Leuchten bringen – die essbaren Blätter können das ganze Jahr über geerntet werden. In der Kräuterheilkunde gelten die salatähnlichen, gezackten Blätter als Superstars – und Heilmittel für Gicht, Rheuma sowie Gallen-, Leber- und Magenleiden. Kein Wunder, denn sie stecken voller sekundärer Pflanzenstoffe, Kalium, Magnesium, Phosphor und Vitaminen (C, K und Provitamin A). Die leicht bitteren Blätter schmecken roh als Salat, gekocht wie Spinat oder in Form eines Pestos: Dafür einen Bund Löwenzahnblätter waschen, trocknen und in feine Streifen schneiden, mit zwei Esslöffeln gerösteten Sonnenblumenkernen, zwei Knoblauchzehen, 100 bis 120 ml Olivenöl, einem Esslöffel Parmesan sowie Salz und Pfeffer in einem Mixer fein pürieren.
„Die Natur ist die beste Apotheke.“ – Sebastian Kneipp
Sammeltipps für Wildblumen und -kräuter
Frische Pflanzen haben die Heilwirkung und den besten Geschmack. Für den Transport nach Hause eignen sich stabile Stoff- oder Papiersäckchen, in denen sich kein Kondenswasser bilden kann. Wichtig: Immer nur so viel sammeln, wie man verbrauchen bzw. zubereiten kann.
Nur Pflanzen sammeln, die man eindeutig kennt bzw. bestimmen kann. Kräuterführungen, -seminare bzw. ein Pflanzenführer können weiterhelfen.
Nur an wenig verschmutzten Standorten sammeln – Grünflächen mitten in der Stadt, typische Hundespazierwege, Wiesen am Straßenrand bzw. gedüngte/gespritzte Flächen vermeiden. In Naturschutz- und Pflanzenschutzgebieten ist Sammeln nicht erlaubt. Ebenso darauf achten, keine geschützten Pflanzen zu pflücken.

Foto: Harald Biebel/Adobe Stock
Gänseblümchen
Kräuterexperten zufolge sollen Gänseblümchen schön machen – kein Wunder, bei dieser geballten Ladung an Inhaltsstoffen: Neben Magnesium, Kalium, Kalzium, Eisen und Vitamin C stecken die kleinen Korbblütler voller sekundärer Pflanzenstoffe und enthalten den verdauungsfördernden Ballaststoff Inulin. Gänseblümchen gelten als schleimlösend, entzündungshemmend und sollen den Stoffwechsel anregen. Grund genug, sie in Zukunft öfters zu verzehren – als Zutat im Salat, im Kräutertopfen oder als essbare Suppendekoration. Genießbar sind Blätter, Knospen und Blüten, wobei jüngere Pflanzen den besten Geschmack aufweisen.
Tipp
Toller Hingucker für Sommerdrinks: Blüten wie Stiefmütterchen, Gänseblümchen und Veilchen in Eiswürfeln mit einfrieren.

Foto: Olga Miltsova/Adobe Stock
Stiefmütterchen
Neben Gänseblümchen sollten zukünftig auch Stiefmütterchen auf unserem Speiseplan stehen. Denn die Veilchenart bezirzt nicht nur die Geschmacksknospen mit einem angenehm süßen, nussigen Aroma – sie sorgt auch für den absoluten Hingucker-Effekt, sei es im Salat, in der Marmelade, als Drink-Deko oder frisch bzw. kandiert auf Süßspeisen. Zum Kandieren einfach die Blütenblätter in einen Mix aus Eiweiß und Wasser tauchen, mit Staubzucker bestreuen und im Backrohr bei 50 Grad trocknen. Wichtig: Immer nur unbehandelte Pflanzen verwenden! Der wilde, kleinere Verwandte des Stiefmütterchens ist übrigens das Duftveilchen. Sammeln und Weiterverarbeiten zahlt sich aus – das im Veilchen enthaltene Methylsalicylat wirkt schmerzlindernd wie Aspirin.

Foto: acrossphoto/Adobe Stock
Hauswurz
Früher trug die Hauswurz den Namen Dach- oder Donnerwurz und musste – einem Dekret von Karl dem Großen zufolge – auf jedem Dach gepflanzt werden. Auch wenn dies heute nicht mehr der Fall ist, hat das Dickblattgewächs Aufmerksamkeit verdient: Es verfügt über ähnliche Heilkräfte wie die Aloe vera. So hilft der Saft der Blätter gegen Sonnenbrand, Schwellungen und Insektenstiche, kühlt, wirkt schmerzstillend und fördert die Wundheilung. Dazu einfach ein Blatt abbrechen, zusammendrücken und den Saft auf der Haut verteilen. Sich eine Hauswurz für daheim zuzulegen, bringt – neben ihren heilsamen Eigenschaften – noch weitere Vorteile: Sie braucht wenig Pflege, kaum Wasser, ist winterhart und sieht noch dazu hübsch aus.
Von Anja Fuchs
Beitragsbild: Dušan Zidar/Adobe Stock
