Verspielt, ironisch, humorvoll und dabei diszipliniert und voll engagiert – wie geht das zusammen? Monsieur Schabernack macht’s möglich. Von Claudia Taucher
In der Mitte des Raumes glänzt das wahrscheinlich noch heiße, vielleicht sogar glosende Streichholz fast mannshoch schwebend vor weißem Hintergrund. Der typische Schwefelgeruch hängt in der Luft … Und dann dieses rosa Mascherl, das die perfekt inszenierte Illusion bricht! Achja, daneben der Künstler, der das Bild hält und sich wie eine weitere Ebene der Realität in unser Bewusstsein schiebt.
Kunst erschafft erlebbare Welten, die unsere Sinne täuschen, und sie kann mit einem Pinselstrich verwirren und in eine Szene grätschen, als wollte sie sich über uns lustig machen oder uns zum Lachen bringen.
Christoph Zeugswetter alias Monsieur Schabernack macht seinem gewählten Namen alle Ehre und präsentiert sein Atelier mit Ölgemälden, die allesamt für Lächeln, Staunen, Vergnügen und auf alle Fälle für Neugier und Lust auf mehr sorgen. Sie springen dem Betrachter mit einer starken 3-D-Komponente förmlich entgegen. Und verblüffen und überraschen durch einen malerischen Realismus, der unter anderem mit Schrift gebrochen wird und durch Motive, deren Zusammenstellung beliebig oder schlicht und ergreifend absurd erscheint.

Von Eishockey zu Street-Art
Bewegung war immer das spezielle Element, in dem sich der gebürtige Wiener Christoph Zeugswetter besonders wohlfühlte. Ab seinem fünften Lebensjahr (bis zu seinem 26.) fegte er als Eishockeyspieler durch die Hallen und das Studium der Sportwissenschaft begleitete ihn auch für ein ganzes Jahrzehnt. Aber: Da war in frühen Jahren auch seine bewusste Begegnung mit Street-Art und Graffiti, worüber man in Wien schon dort und da „stolpern“ kann. Christoph Zeugswetter hatte für diese Kunstform nicht nur offene Augen, sondern brachte auch ein weit geöffnetes Herz mit. „Ich war fasziniert von der Technik“, erzählt der Künstler, der sich in der Folge auch das Airbrushing aneignete. Die Leidenschaft für Graffiti hat bleibende Spuren in der Biografie des Künstlers hinterlassen, seine Wandgestaltung am Wiener Donaukanal ist aber mittlerweile leider bereits eine Erinnerung, die unter neuen Farbschichten begraben ist. Seine Begeisterung für Street-Art führte schließlich zu seiner Ausbildung in Linz: An der HTL für Kommunikationsdesign schloss Zeugswetter mit Diplom ab und war in der Folge auch einige Jahre als Grafiker in der Werbebranche tätig.
Monsieur Schabernack in Graz
Seinen Traum als freischaffender Künstler zu leben, wagte er schließlich erst in Verbindung mit seiner Übersiedlung nach Graz („Es ist so schön da!“) im Oktober 2023. Als Monsieur Schabernack folgte er seinem vorangegangenen Bruder nach und beschäftigte sich intensiv mit der Ölmalerei, seiner favorisierten Technik. Hier kamen ihm die sportlichen Tugenden, die er schon als Kind im Eishockey ausbildete, absolut entgegen: Disziplin, Ausdauer und volles Engagement treiben auch heute noch seine künstlerische Entwicklung voran. „Try and error“ waren zu Beginn, so der Künstler, die Begleiter beim Erlernen der Maltechnik mit Ölfarben: „Wenn man Sitzfleisch hat, kann man sich vieles selbst beibringen“, ist er überzeugt.

Handwerk, Kunstwerk, Dada
„Das Handwerk muss man draufhaben“, ist Monsieur Schabernack überzeugt, „braucht aber Zeit.“ Wohin seine künstlerische Reise geht, entwickelte sich aus seiner Liebe zum Dadaismus, zum Unsinnigen, zum Absurden in der Kunst. „Es hat mich total fasziniert – schon in der Schule.“ Absurd auch, weil der Mensch das Fehlerhafte ins Leben und ins Tun mitbringt. Das verlangt geradezu nach Leichtigkeit, nach Humor, nach Spaß. Ernst wird Monsieur Schabernack, wenn es um KI in der Kunst geht – hier bezieht er klar Stellung: „Arbeit mit KI ergibt für mich null Sinn, wieso sollte ich das? Wir haben ein Leben, in dem wir Spaß haben und Eigenständiges kreieren können!“
Dass dem Künstler Inhalt „nicht so arg wichtig“ ist, sieht man, tut der Begeisterung aber keinen Abbruch. „Motive können mich sehr faszinieren.“ „Ikonische Bilder“ aus einer vergangenen Zeit wie etwa ein Wählscheiben-Telefon. Der bekennende Retro-Fan nimmt gerne kleine (Alltags-)Dinge ins Visier – „Nix Schockierendes“ – und mag es, sie „aufzublasen“. Wir erinnern uns an das faszinierende Streichholz, „frisch“ abgebrannt auf Leinwand gebannt.



Künstler und Begleiter
Mit seiner Leidenschaft für die Kunst zündet Christoph Zeugswetter alias Monsieur Schabernack auch gerne andere Menschen an. In Zeichen- und Malkursen der (Kunst-)Volkshochschule gibt der Wahlgrazer seine Kenntnisse über figurative Kunst und Ölmalerei gerne weiter und begleitet künstlerische Prozesse.
Sein neues Atelier in der Grazer Feuerbachgasse ist außerdem nicht nur ein Kunstshop und sein Arbeitsplatz, es ist auch ein Treffpunkt für Kunstbegeisterte, beispielsweise bei ArtBrunches, und es steht zu fixen Terminen offen für alle, die sich im authentischen Rahmen kreativ ausprobieren wollen: einfach, weil wir alle Spaß daran haben, wenn wir Eigenständiges kreieren!
Monsieur Schabernack
Grafikdesigner und Künstler – Christoph Zeugswetter, geb. 1984 in Wien. HTL für Kommunikationsdesign, Linz. Grafiker in Salzburg. Lebt seit 2023 in Graz.
Gruppen- und Einzelausstellungen: München, Stuttgart, Wien, Graz, Attersee.
Lehrtätigkeit: Kunstvolkshochschule Wien, Volkshochschule Steiermark und im eigenen Atelier.
Galerie/Atelier: Feuerbachgasse 10, 8020 Graz – Besuch nach Voranmeldung.
Instagram: @monsieur_schabernack | E-Mail: hello@monsieur-schabernack.com | monsieur-schabernack.com
Meet the artist: Monsieur Schabernack lädt am 6. Juni 2026 ab 10 Uhr zum ArtBrunch ins neue Atelier, Feuerbachgasse 10/2 in Graz.
