Kopfschmerzen und andere Beschwerden können einem die Reise ganz schön vermiesen. Die gute ­Nachricht: Gegen alles – also auch gegen die Reisekrankheit – ist ein Kraut gewachsen.

Der Horizont schwankt. Der Magen rebelliert und der Blutdruck fällt. Die Schaukelei auf Schiffen, kurviges Fahren in Autos und sogar Fliegen kann krank machen. Gemeint ist die sogenannte Reisekrankheit oder Kinetose, wie Mediziner dazu sagen. Ausgelöst wird sie durch eine Störung im Gleichgewichtszentrum des Innenohrs. Das Auge passt sich den Bewegungen an, aber das Innenohr kommt mit den ständig wechselnden Impulsen nicht zurecht. Kurz: Der Körper kommt aus der Balance. Die Folgen können leichtes Unwohlsein, kalter Schweiß bis hin zu starkem Schwindel und Brechreiz sein.

Alte Seebären nicht gefeit

Am Schiff reagieren Menschen auf Wellenbewegungen sehr unterschiedlich. Einige empfinden kleine, kurze Wellen als unangenehm, andere wiederum lange rollenartige. In der Regel gewöhnt sich der Körper nach zwei bis drei Tagen auf See an den Wellengang. Doch ist man ein paar Tage an Land, geht dieser Gewöhnungseffekt wieder verloren. Theoretisch könnte also auch einem alten Seebären an Bord wieder übel werden.

Ing-Wer?

PDPics/Pixabay

Die Ingwerknolle ist keine Wurzel, sondern eine verdickte Sprossachse – ein Rhizom (Foto: PDPics/Pixabay)

Ingwer heißt die Wunderwaffe, die der Reisekrankheit den Garaus macht. Fälschlicherweise wird oft angenommen, dass Ingwer eine Wurzel ist, doch handelt es sich hierbei um ein Rhizom – eine verdickte Sprossachse, die für die Pflanze eine Speicherfunktion ausübt. Schon vor Jahrhunderten diente Ingwer als Mittel gegen die Seekrankheit. Und auch heute weiß man, dass der knollige, aus Südostasien stammende Wurzelstock Brechreiz hemmt, Schwindel verhindert und den Magen beruhigt. Auch klinische Studien beweisen seine Wirksamkeit. Die Anwendung ist denkbar einfach: Das Ingwer-Rhizom wird in Stücke geschnitten und gekaut. Wem der Geschmack zu scharf ist, der greift auf kandierten Ingwer oder Ingwer-Präparate zurück. Aus der Knolle zubereiteter Tee wirkt auch. Für Kinder hat sich die Mischung aus 1 TL getrocknetem Ingwer oder ½ TL frisch geriebenem Ingwer und einem Glas Apfelsaft bewährt. Das heilsame Rhizom kann auch schon vor Reiseantritt eingenommen werden.

Gepfeffert

Die Natur gab dem Menschen aber nicht nur den Ingwer – auch Pfefferminztee hat sich bei der Behandlung der Reisekrankheit sehr bewährt. Gerade weil der Lippenblütler in fast jedem Haushalt zu finden ist und häufig getrunken wird, sollte man darauf achten, ihn nicht als Dauermittel zu verwenden. Denn der Körper gewöhnt sich schnell daran und Pfefferminze zeigt nach langem Gebrauch keine Wirkung mehr. Das wäre natürlich schade, denn Pfefferminztee hilft nicht nur bei Kinetose, sondern auch bei Kopfschmerzen. Schmerzstillend und krampflösend wirkt er bei Magen- und Darmbeschwerden. Es lohnt sich also, Ingwer und Pfefferminztee die Reiseapotheke einzupacken.

Müde vom Reisen?

Lebensmittelfotos / Pixabay

Rosmarin bringt neuen Schwung (Foto: Lebensmittelfotos/Pixabay)

Ja, auch die Müdigkeit macht auf Reisen vielen zu schaffen. Dabei muss noch nicht einmal von einem Travel Blues die Rede sein. Travel Blues tritt vor allem bei Langzeitreisen auf. Der Grund? Man mutet sich zu viel zu, hetzt von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten, lernt ständig neue Leute kennen – doch dann sagt dein Gehirn plötzlich: Stopp! Von heute auf morgen haben Betroffene keine Lust mehr auf irgendwas. Da hilft nur eines: abwarten und Tee trinken. Und tatsächlich bewähren sich auch hier verschiedene Heilkräuter. Eines davon ist der Rosmarin – Lieblingskraut, Kranzkraut oder auch Antonkraut genannt. Rosmarin kann wirklich zum Lieblingskraut werden, wenn er seine stärkende Wirkung entfaltet und Schwächezustände minimiert. Das mehrjährige Heilkraut macht widerstandsfähig gegen Belastungen von außen und erhöht auch noch die Gedächtnisleistung. Einfach einen Tee aus Rosmarinblättern zubereiten und Sightseeing kann weitergehen.

Schlaflos in Seattle

… New York, Paris, London – oder wo auch immer. Schlafstörungen können den Urlaub massiv beeinträchtigen. Gut, dass auch hier Mutter Natur vorgesorgt hat. Sogenannte „Schlafpflanzen“ erhöhen nicht nur die Schlafbereitschaft, sondern sorgen vor allem für einen erholsamen Schlaf mit REM-Phasen (Traumphasen). Baldrian, Dill, Grüner Hafer, Hopfen, Kamille, Lavendel, Linde, Melisse und Passionsblume haben eines gemeinsam – sie helfen bei Schlaflosigkeit. Eine Tasse „Schlaftee“ kann dann vor dem Schlafengehen wirklich Wunder bewirken. Heilkräuter sind also in ihrer Anwendung genauso vielfältig wie in ihrer Wirkung. Sie helfen, uns gesund zu bleiben, sie lindern und heilen Beschwerden sowie Erkrankungen und sie sind vor allem hilfreiche Begleiter auf Reisen.

 

JULIA REZAC

Beitragsbild: Soorelis/Pixabay