„Federleicht und doch felsenfest, vogelfrei und doch hautnah, beflügelt und doch verwurzelt.“ Jochen Mariss

Perfekt gestrandet.

Wer im Urlaub die Kombination aus Robinson-Crusoe-Charme und unbekümmertem Luxus liebt, ist in der Bucht von Anse aux Poules Bleues an der richtigen Adresse. Im Mango House Seychelles taucht man unmittelbar ins kreolische Lebens­gefühl ein – der Ausblick vom Infinity-Pool aufs türkisblaue Meer, frisch gemixte Cocktails nach Hausrezept und noch frischer gesäbeltes Sushi sprechen für sich. Beste Reisezeit: Immer! Durch die Äquator­nähe gibt’s ganzjährig stabile 30 Grad. hilton.com

 

Lavanttal Stories Travel Via

Foto: Nina Popp

Spring Ins Glück.

Fünf Jahre Arbeit und rund 250 Interviews bilden die Basis für Nina Popps „Lavanttal Storys”. Absolutes Must-read für Reiselustige und Feinspitze, die die besten Ecken des Kärntner Tales erkunden möchten. Die Grazer Autorin ist sich aber sicher: Auf den 512 Seiten können selbst eingefleischte Lavanttaler noch etwas lernen. ninapopp.com

 

Lofoten Norwegen Travel Via

Foto: Alexei Scutari/unsplash

On Top.

Jährlich bestimmen Travel-Trendsetter neue Trend-Destinationen, um die man als Reiseliebhaber nicht herumkommt. 2023 ganz heiß gehandelt: die Inselgruppe der Lofoten in Norwegen. Am meisten holt man hier bei einem Trip im Sommer raus – dank 24 Stunden Tageslicht lässt sich die wilde, ungezähmte Natur rund um die Uhr erkunden. visitnorway.de

 

Anam Mui Ne Travel Via

Foto: Martin Körner/The Anam Mui Ne

Xin Chào.

Ein Trip ins einstige Saigon ist spektakulär – jedoch kann der vietnamesische Hauptstadt-Trubel auch ganz schön fordern. Tipp: ein paar Tage im Küstenort M˜ui Né anhängen. Nichts als Strand, chillen, aus Kokosnüssen schlürfen – und nobel wohnen, etwa im Luxustempel The Anam, der nicht nur architektonisch beeindruckt. theanam.com

 

 

Refugium Lunz Travel Via

Foto: Sophie Kirchner/Refugium Lunz

Kommen und Bleiben.

Definitiv mehr als „just another Designhotel” verspricht das Refugium Lunz zu werden, das im April seine Pforten öffnet. Wo? In Lunz am See im Mostviertel, wo die Uhren noch langsamer ticken als in der City. Sommerfrische mit Nostalgietouch – check! refugium-lunz.at

 

I want to fly away

Man sagt ja, wer die Abenteuerlichkeit des Reisens ins Blut bekommt, wird diese nie wieder los … Können wir bestätigen! Allein vom Reisen zu träumen, beflügelt schon enorm. Ideen zum Träumen? Gibt es hier!

 

Beitragsbild: Mango House Seychelles
Wäre es nicht schön, zum Mond zu reisen? Dieser einzige natürliche Satellit der Erde ist sehr gut erforscht und bislang auch der einzige fremde Himmelskörper, den Menschen betreten haben.

Das müsste also doch für alle Neugierigen, Wissbegierigen und Abenteurer ein gefundenes Fressen sein …!

Mitnichten, die Mehrzahl zeigte sich nicht so richtig begeistert von dieser Aussicht, denn: 52 Prozent der vom Umfrage-Institut YouGov Befragten würden nicht zum Mond reisen wollen, selbst mit Garantie auf eine sichere Rückkehr zur Erde. Die Begründungen für diese Abenteuer-Unlust reichen von „Angst um Gesundheit“ (1 %) über „Wäre zu teuer“ (4 %), „Langweilige Fahrt“ (3 %) und „Kein Familienurlaub“ (1 %) bis „Dauert zu lange“ (7 %) und „Macht keinen Sinn“ (9 %).
Zehn Prozent haben auf ihrer Prioritätenliste noch „genug irdische Reiseziele“ davor aufgeschrieben. Na dann!
Für die Mehrheit der Mondflug-Boykottierer besteht vielleicht noch ein Funken Hoffnung – denn 23 Prozent finden den Gedanken, zum Mond zu reisen, nur deshalb nicht reizvoll, weil es „dort nichts zu sehen und zu tun“ gibt.

So denn: Lasst dort oben ein paar bunte Souvenirstände aus den Kratern wachsen und einige stattliche Türme erbauen, damit wenigstens das eine oder andere spannende Selfie möglich wird! Ansonsten kann uns die schöne weiße Kugel gestohlen bleiben. Mondsüchtig hin oder her.

 

Quelle: Tin Fischer, Mario Mensch: Einer von Hundert wird 100. So ziemlich alles, was man über das Leben wissen muss. (Verlag Hoffmann und Campe)

 

Beitragsbild: Frank Cone von pexels
Manche Waldeisenbahnen in den Karpaten machen immer noch Dampf – und das nicht zu wenig.
Alo, Mocanita!

Ausreichend Zeit und Muße muss jeder haben, denn schnell geht gar nichts. (Foto: Gabriel Petrescu/ Shutterstock)

Ioana ist 63 und sehr gut in Schuss. „Mein Liebling“, sagt Kristof zu ihr, was sie gelassen hinnimmt, denn sie kennen einander seit Jahrzehnten. Zum Schnaufen bringen sie andere. Kristof, 59, war früher Holzfäller und ist heute erster Bremser der Touristendampfzüge, die Ioana täglich ab neun Uhr talaufwärts schleppt. Oder Bavaria oder Cozia oder andere Geschwister der alten Lok. Sie hat viele, und die haben genug erlebt: Davon konnte schon Kristofs Großvater lange Geschichten von Wölfen und Bären und tragischen Unglücksfällen in der dunklen, kalten Unwegsamkeit erzählen – an 69 Tagen im Jahr liegen hier mindestens 15 Zentimeter Schnee, statistisch gesehen. Hoch im Norden Rumäniens, an der Grenze zur Ukraine, ist die alte Eisenbahnwelt noch in Ordnung.

Oh du schönes Rumänien…

Oder besser: wieder in Ordnung, denn das Geschäft mit den Dampfzügen brummt und pfeift erfreulich lautstark, zumindest in Vişeu de Sus, dem früheren Oberwischau aus kaiserlicher Vergangenheit. Die Bevölkerung rundum hält sich in höchst überschaubaren Grenzen. Und so gilt der Ort mit seinen rund 15.000 Bewohnern flächenmäßig als zweitgrößte Siedlung Rumäniens. Seit 2007 ist das Wassertal Teil des Naturparks Maramureş Gebirge und beliebtes Ausflugsziel im Hinterland von Siebenbürgen geworden. Am Anfang waren es Auswanderer aus dem Salzkammergut, die als Holzfäller und Flößer in die Wälder der Karpaten gingen, die – kein Zufall – hier Waldkarpaten heißen.

Bereits im 18. Jahrhundert nutzte die österreichisch-ungarische Monarchie das Tal der Vaser (Wassertal) als Transportweg durch die dichten Gebirgswälder. Rund 600 Menschen sollen hier noch altösterreichische oder deutsche Wurzeln haben, auch wenn das Gasthaus Oberösterreich geschlossen scheint und viele längst rückgewandert sind: Die Café-Bar Edelweis  dient immer noch als deutsch-rumänische Begegnungsstätte, wo sich die Brandstädters, Schmieds und Schneiders – das örtliche Telefonbuch zeigt viele deutsche Namen – bisweilen ein Stelldichein geben. Doch Deutsch sprechen die Wenigsten.

Mocanita: Schmalspurbahn statt Flößerei

Die Schmalspurbahn hinein ins Wassertal gibt es seit 1932. Wie in vielen anderen Teilen der Karpaten wurde die Forstwirtschaft zur Haupteinnahmequelle, die Mocanitas (Schmalspurbahnen) waren lange unverzichtbar: 1989 gab es noch 15 rumänische Waldbahnlinien mit einer Gesamtgleislänge von über 1.000 Kilometern. „Nach der Wende war es rasch vorbei, die meisten Bahnen wurden aufgelassen, Schienen und Fuhrpark als Alteisen verkauft“, erinnert sich Kristof, dessen Vorfahren aus Ebensee stammen sollen. Doch sicher ist er nicht.

Alo, Mocanita!

Historische Mobilität hautnah: Diese Reise entschleunigt auch die jüngsten Touristen.

Und dort war er noch nie. Die echten Holzzüge der R. G. Holz Company GmbH in Vişeu de Sus haben zwar mittlerweile längst Dieselloks vorgespannt, doch die Touristenzüge fahren immer noch mit Dampf – in der Sommersaison täglich, rund 22 Kilometer oder drei Stunden taleinwärts bis Paltin, einer kleinen Rangierstation in den Wäldern: Etwa die Hälfte des aktiven Vaser-Schienennetzes ist für Besucher freigegeben. Wer weiter Richtung Ukraine will, muss Sondervereinbarungen mit den Fahrern von Draisinen und Schienenbussen treffen. Das sind auf Schmalspurachsen aufgebockte Kastenwägen, meist recht rostige Ford Transit, die teils auch Schafe und Ziegen auf entlegene Weiden bringen – die einzige Möglichkeit, hier in den Wäldern noch weiter zu kommen, wo es nur den Schienenweg (mit gelegentlichen Tunneln und Brücken) und Forstschneisen, aber keinen einzigen markierten Wanderpfad gibt.

Gut Ding braucht Weile

Ausreichend Zeit und Muße muss jeder haben, denn schnell geht gar nichts. Mehr als zehn Kilometer pro Stunde wären auch gar nicht ratsam – da stehen bisweilen Kühe auf den Gleisen, und manchmal ein Schaf hinter der Kurve. Gleich hinter der Lok und dem Mannschaftswagen rumpelt ein alter Personenwaggon mit Holzsitzen und Kachelofen für eisige Tage: Auf der offenen Plattform kann sich räuchern lassen, wem danach ist. Dahinter gekoppelt sind ausgemusterte Wagen aus Wengen, vom Kleinen Scheidegg und vom Jungfraujoch – Spenden des Schweizer Vereins „Hilfe für die Wassertalbahn“, der hier 2005 kräftig investiert hat und auch einen Hotelzug aus ausgemusterten Schnellzugwagen im Bahnhofsgelände hinstellen ließ.

Dort, gleich beim Sägewerk von Vişeu de Sus, sind Eisenbahn-Nostalgiker dem Himmel nahe – wo sonst findet sich ein derart bizarres Freilichtmuseum von historischen Schienenfahrzeugen, inklusive schwarzer Wolga-Pkws aus Ceauşescus Zeiten auf Eisenbahnachsen? Die neue Forststraße an der anderen Seite des Flusses endet bald nach den letzten Häusern, die nur mehr über Hängebrücken erreichbar sind. Ein paar Wiesen noch, wo ein paar Sensenmäher gerade Pause machen. Dann Wald, so weit das Auge reicht, an immer steileren Hängen. Äste, die gegen die Waggons schlagen, trotz gelegentlicher Schrittgeschwindigkeit.

Ab und zu ein umgestürzter Baum, mit dem Kristof und die anderen vier Bremser mit Motorsäge und Axt kurzen Prozess machen. Es rumpelt und pumpelt durch dichtes Grün, ab und zu zeigen sich Zugpferde am Fluss, die geflößtes Treibholz die Uferböschung hochschleppen. Kein Harvester mehr weit und breit, dafür Pfeifen und Zischen, Dampfen und manchmal auch fast Stille. Und Kohldampf, auch ohne Kohle: Die Tourgruppen aus Bukarest, Berlin und Breslau bekommen spätestens am Picknickplatz in Paltin, der Endstation, Unterhaltung und Verpflegung. Folkloretanz und Grillwurst machen viele so glücklich, dass die meisten die Station bis zur Rückfahrt ein paar Stunden später gar nicht verlassen – ob nur das große Bären-Warnschild beim rustikalen Holzfällermuseum damit zu tun hat, bleibt unklar. Pfeif drauf!

 

Günter Spreitzhofer

Beitragsbild: Moca