Von Schloss zu Schloss: Das Jazzfestival Leibnitz 2026

Vincent Peirani & Living Being, Bandportrait

Vier Tage, drei Schauplätze, fünf Bühnen und eine Ansage, die keine Kompromisse kennt: Beim Jazzfestival Leibnitz zieht die Musik heuer wieder quer durch die Südsteiermark – vom Weinkeller im Schloss Seggau bis zum Fest unter freiem Himmel im Schloss Ottersbach.

Wenn Ende September die Weinlese ins Finale geht, verwandelt sich Leibnitz zum 14. Mal in eine Bühne für den Jazz aus aller Welt. Von 24. bis 27. September führt das Programm seine Gäste von Schloss zu Schloss, mit dem Kulturzentrum Leibnitz als klingender Mitte dazwischen. Vier Tage lang treffen internationale Größen auf heimische Talente, Tradition auf Aufbruch – und immer wieder gilt: Wer sich auf diese Musik einlässt, bekommt viel, viel mehr als nur Unterhaltung.

Der Auftakt im Schlosskeller

Den Anfang macht am Donnerstag, dem 24. September, das heimische Trio HAEZZ im Weinkeller von Schloss Seggau. Martin Eberle an der Trompete, Stepan Flagar am Saxofon und Tobias Vedovelli am Bass haben sich in den vergangenen Jahren zu einem Fixstern der heimischen Szene gespielt – mal klingen sie wie eine ganze Band auf Diät, mal wie ein nächtliches Gespräch unter Freunden, nur deutlich besser aufeinander abgestimmt. Gleich im Anschluss übernimmt mit dem Kirk Knuffke Trio & Charlie Burnham aus den USA eine der derzeit aufregendsten Stimmen New Yorks: Der vielfach ausgezeichnete Kornettist Kirk Knuffke trifft dabei auf den Geiger Charles Burnham, dessen unverwechselbarer Ton afroamerikanische Traditionen mit Jazz und Klassik verwebt.

Das Trio HAEZZ eröffnet das Jazzfestival Leibnitz 2026 im Schloss Seggau
HAEZZ eröffnet das Festival im Weinkeller von Schloss Seggau

Ein Haus voller Klangwelten

Am Freitag füllt sich das Kulturzentrum Leibnitz gleich mit mehreren Bühnen zugleich. Für die Jüngsten gibt es im Carl Rotky-Saal die Reihe Jazz for Kids, während am Abend im Hugo Wolf-Saal zwei internationale Formationen aufeinandertreffen: zunächst Sonic Organism, das neue Quartett rund um den Schweizer Schlagzeuger Florian Arbenz mit der US-Saxofonlegende Greg Osby, dem portugiesischen Akkordeon-Star João Barradas und dem französischen Bassisten François Moutin. Danach feiert das Andromeda Mega Express Orchestra sein 20-jähriges Bestehen – und gibt dabei sein allererstes Konzert in Österreich. Das britische Magazin Uncut nannte das elfköpfige Berliner Kammerorchester einmal „Europas Antwort auf das Sun Ra Arkestra, nur ohne die Roben“ – ein Satz, der die schillernde Bandbreite zwischen Jazz, Weltmusik und Elektronik ziemlich genau trifft.

Das Andromeda Mega Express Orchestra feiert beim Jazzfestival Leibnitz sein 20-jähriges Bestehen und sein Österreich-Debüt
Das Andromeda Mega Express Orchestra feiert sein 20-jähriges Bestehen und sein Österreich-Debüt

Wer danach noch wach bleiben mag, findet um 23 Uhr im Alten Kino sein Nachtquartier: Der legendäre Pianist Alexander von Schlippenbach widmet sich dort mit seinem Quintett Monk’s Casino dem gesamten kompositorischen Erbe von Thelonious Monk – auf Tonträger sind es 70 Stücke, live wählt das Ensemble freilich eine Auswahl, sonst würde der Abend gut sechs Stunden dauern.

Pianist Alexander von Schlippenbach mit seinem Quintett Monk's Casino im Kulturzentrum Leibnitz
Der 88 jährige Alexander von Schlippenbach widmet sich mit Monk’s Casino dem Erbe von Thelonious Monk

Zwischen Kaffeehaus und großer Bühne

Der Samstag beginnt gemächlich: Am Hauptplatz lädt die Jazz Lounge im Café Rosegger tagsüber zum Verweilen bei Kaffee und leisen Tönen. Am Abend wird es im Hugo Wolf-Saal dann wieder konzentriert: Drei der besten Kontrabassisten Skandinaviens – Anders Jormin, Thomas Markusson und Morten Ramsbøl – treffen als Triple Double erstmals in Österreich aufeinander, ehe das Koko Trio mit der japanischen Marimba-Spielerin Taiko Saito eine musikalische Welt zwischen Jazz und freier Improvisation erschafft, in der man nie ganz weiß, was hinter der nächsten Kurve wartet. Zum Ausklang des Abends verwandelt der kubanische Pianist Ramón Valle gemeinsam mit seinem Trio und der niederländischen Flügelhornistin Maite Hontelé die Bühne noch einmal in ein Fest der Spielfreude.

„Vom höchsten Anspruch bis an die Grenze des Zumutbaren.“

Otmar Klammer, künstlerischer Leiter

So beschreibt künstlerischer Leiter Otmar Klammer seine Devise für das Jazzfestival Leibnitz – ein Satz wie eine Einladung und eine Warnung zugleich. Wer sich darauf einlässt, bekommt eben keine Musik zum Nebenbei-Hören, sondern Kunst, die etwas verlangt: Aufmerksamkeit, Neugier, manchmal auch Geduld. Und die genau dafür reich belohnt.

Der Ausklang mit Blick auf die Weinberge

Zum großen Finale zieht das Festival am Sonntag noch einmal weiter, hinaus aus der Stadt und mitten in die südsteirische Weinlandschaft: Ab 11 Uhr wird beim Fest im Schloss Ottersbach kulinarisch aufgetischt, ehe um 13 Uhr mit Vincent Peirani & Living Being aus Frankreich der krönende Abschluss folgt. Der Akkordeonist hat sein Instrument längst zu einem veritablen Rock’n’Roll-Werkzeug gemacht, an seiner Seite mit Émile Parisien einer der gefragtesten Sopransaxofonisten Europas. Die Matinee ist bereits ausverkauft – bei stabiler Schönwetterprognose gibt das Festivalbüro aber laufend zusätzliche Karten frei und führt dafür gerne eine Warteliste.

Karten und weitere Infos

Tickets für die einzelnen Konzerte sowie Festivalpässe über drei oder vier Tage gibt es online unter www.jazzfestivalleibnitz.at oder telefonisch unter +43 664 2131386. Die Spielorte liegen zwischen Schloss Seggau, dem Kulturzentrum Leibnitz, dem Alten Kino, dem Café Rosegger am Hauptplatz und dem Schloss Ottersbach in Großklein – alle nur wenige Autominuten voneinander entfernt. Von Schloss zu Schloss eben, vier Tage lang.