Tauernzauber: Mit Rangern durch das wilde Raurisertal

Durchgangsalm im Raurisertal, Nationalpark Hohe Tauern © Lukas Pilz / TVB Rauris

Der Morgen riecht nach nassem Fels und Almkräutern. Irgendwo über dem Talschluss zieht ein Schatten seine Kreise – ruhig, fast lautlos, mit einer Flügelspannweite, die einen stocken lässt. Ein Bartgeier. Vor vierzig Jahren war er in Europa ausgestorben. Heute ist er zurück – und das Raurisertal ist einer der besten Orte der Welt, um ihn zu sehen.

Das Raurisertal liegt im Herzen des Nationalparks Hohe Tauern und ist die größte Gemeinde dieses gewaltigen Schutzgebietes. Dreißig Kilometer lang, mit zweitausend Höhenmetern von der Talsohle bis zu den Dreitausendern der Goldberge, durchzogen von dreihundert Kilometern Wanderwegen. Wer hier mit einem Nationalpark Ranger unterwegs ist, sieht mehr als Landschaft – er versteht, warum dieser Ort besonders ist.

Der Urwald im Hochgebirge

Im 1.600 Meter hoch gelegenen Talschluss Kolm Saigurn erwartet Wanderer eine Landschaft, die es so kaum ein zweites Mal gibt: der Rauriser Urwald, ein jahrhundertealter Bergsturzwald mit achtzig Tümpeln, Seen und dem einzigen Hochmoor der Alpen. Jeden Montag führen die Nationalpark Ranger von 13. Juli bis 7. September durch dieses stille Labyrinth aus umgestürzten Bäumen, knorrigen Wurzeln und seltenen Pflanzen. Der Themenweg taucht ein in Urlandschaften – und wer danach einkehrt, tut das in einer der urigen Hütten auf dem Almenplateau.

Kolm Saigurn hat noch eine andere Geschichte zu erzählen: Hier wurde sechshundert Jahre lang nach Taurerngold gegraben. Zur Blütezeit des Goldbergbaus kamen zehn Prozent des weltweiten Goldvorkommens aus der Goldberggruppe. Heute sollen noch rund 120 Tonnen Gold im Inneren der Berge schlummern – und am bekannten Goldwaschplatz Bodenhaus kann man sein Glück noch immer versuchen.

Auf den Spuren von Römern und Saumern

Ein gutes Stück talauswärts zweigt das Seidlwinkltal westwärts ab. Schon in der Antike verlief hier eine wichtige Römerstraße, im Spätmittelalter eine Hauptroute für den Saumhandel. Heute gilt das Tal vor allem als Tal der Quellen und Almen – und als einer der schönsten Wanderräume des Nationalparks.

Jeden Dienstag (21. Juli bis 8. September) laden die Ranger zu einer Tour von der Palfneralm zur Hirzkaralm, wo sich ein fabelhafter Ausblick in die Hohen Tauern bietet. Freitags (17. Juli bis 11. September) geht es ins Tal der Almen, vorbei am imposanten Spritzbachfall und dem alten Tauerhaus – einer Rast, die schon Säumern vor fünfhundert Jahren Kraft für den Weitermarsch gab.

Die Könige der Lüfte im Krumltal

Bartgeier sind mit bis zu 1,25 Metern Körperlänge und fast drei Metern Flügelspannweite die größten flugtüchtigen Vögel der Erde. Als man sie in den 1980er-Jahren im Krumltal wieder anzusiedeln begann, waren sie in Europa bereits ausgestorben. Heute sind sie hier wieder heimisch – gemeinsam mit Gänsegeiern, Mönchsgeiern, Steinadlern, Gämsen und Steinböcken.

Jeden Mittwoch (15. Juli bis 9. September) führen die Nationalpark Ranger entlang des Krumlbaches ins Tal der Geier. Im Nationalparkhaus „Im Facettenreich“ in Wörth und auf der Greifvogelwarte an der Bergstation der Rauriser Hochalmbahn gibt es noch mehr über die prächtigen Tiere zu erfahren. Für besonders unternehmungslustige Wanderer gibt es am 28. August eine Tour auf wilden Pfaden hinauf zum Koglkarkopf (2.565 m) – mit einem Panorama über Glockner- und Goldberggruppe als Lohn.

Klein reisen, groß erleben

Wer das Raurisertal bewusst und mit kleinem Fußabdruck erleben möchte, hat es leicht: Das Guest Mobility Ticket macht öffentliche Verkehrsmittel im Salzburger Land kostenlos. Die Nationalpark Sommercard öffnet Türen zu Hochalmbahnen, Kitzlochklamm, Goldwaschplätzen und Nationalpark-Ausstellungen – und der neue Pinzgau Ost Shuttle bringt Gäste samstags und sonntags bequem ins Tal.

Das Auto kann stehen bleiben. Die Natur fängt gleich am Bahnhof an.


Ranger-Touren im Raurisertal, Sommer 2026
MO (13.07.–07.09.): Rauriser Urwald – Kolm Saigurn | DI (21.07.–08.09.): Palfneralm – Hirzkaralm | MI (15.07.–09.09.): Krumltal – Könige der Lüfte | FR (17.07.–11.09.): Ins Tal der Almen – Seidlwinkltal | 28.08.: Auf wilden Pfaden – Krumltal/Seidlwinkltal
Tourismusverband Rauris | +43/(0)6544/20022 | raurisertal.at